Firefox und das eBay-Plugin

Heute ist zwar erst Dienstag, aber dennoch tummeln sich die ganzen Freitagstrolle mal wieder im Forum zum Artikel “Firefox: eBay-Suche mit Umleitung” auf heise.de.


Hintergrund: Firefox bietet (neben einer Google- und Amazon-Suche) auch ein eBay-Suchplugin an, Diese Plugin verweist in der deutschen Version statt direkt auf die eBay-Seite auf die URL

http://www.webtip.ch/cgi-bin/mozilla/tracker_qry_de.pl

Gleich ist das Geschrei groß: “Wir werden ausspioniert”, “Vertrauensbruch”, “Open Source und keiner hat’s gemerkt!”.

Um Missverständnissen aus dem Weg zu räumen, hat Christoph Berndt (von metaspinner.de) den Quellcode des “bösen” Perl-Skripts gepostet.

Beim Abschicken einer eBay-Suche wird (einfach formuliert) eine “Affiliate-ID” an die URL (und den darin enthaltenen Suchbegriff) angehängt. Somit können eBay-Suchanfragen einem bestimmten eBay-Partner (in diesem Fall Webtip.ch/Metaspinner.de) zugerechnet werden und dieser erhält Geld für die Weiterleitung von Surfern zu eBay. Dieses Geld wird [teilweise?] an die Mozilla Foundation zur Unterstützung ihrer Projekte (Mozilla, Firefox, Thunderbird etc.) weitergegeben.

Natürlich war es nicht gerade ein PR-Coup, eine solche Umleitung nicht vorher bekannt zu machen. Aber irgendwie will ein solches Projekt doch auch finanziert werden! Und wer macht das? Sicherlich nicht die Leute, deren Rechner vor geklauter Software nur so bersten und die jetzt am lautesten schreien, ohne auch nur jemals einen Cent für Software bezahlt zu haben geschweige denn es in geraumer Zeit beabsichtigen.

Nachtrag: Auf der Seite von Mozilla Europe gibt es eine Pressemitteilung zum eBay-Plugin.

4 thoughts on “Firefox und das eBay-Plugin”

  1. Sehr beschönigend dargestellt. Es geht nicht darum, was das Plugin macht oder wie harmlos die Umleitung ist, darüber könnte man gesondert diskutieren. Nur soviel: In den Voreinstellungen gibt es einen Popup-Blocker, mit dem ich Unerwünschtes abblocken kann und bei Benutzung der ebay-Suche werde ich von Firefox selbst über den Server einer adfarm geführt, und zwar ohne dass ich von den FF-Leuten *vorher* darauf hingewiesen werde. Das ist haarsträubend.

    Es geht jedoch vor allem und in erster Linie um die Art und Weise, wie Firefox D. das gehandhabt hat. Und wenn ich dann noch die Stellungnahmen der Verantwortlichen im FForum lese, wird mir noch mehr übel.

    Ich bin nur ein einfacher Benutzer, den OpenSource Leuten zu grossem Dank verpflichtet, habe den IE bei mir und den PC’s meiner Verwandten, Bekannten in die Ecke gestellt und nur aus Zeitmangel den FF 1.0 noch nicht installiert. Das fällt jetzt flach, ich werde den Mozilla 1.7.3 drauflassen und werde auch nie wieder damit werben, dass die FF, Mozilla usw. einfach sauber sind, schon garnicht für den FF in Deutsch, solange die Leute die jetzt dort das Sagen haben noch an der Spitze sind. Wer weiss, was den Verantwortlichen bei FF Deutschland das nächste Mal einfällt, wenn sie Geld brauchen. Nebenbei bemerkt ist offenbar der deutsche FF, die einzige Sprachversion, die ein solches Plugin mit Umleitung bietet.

    Wie auch immer, bei mir ist das Vertrauen insgesamt weg, ich werde Moz. und Co. genauso misstrauisch gegenüberstehen, wie jedem anderen Stück Software auch.

    Nochmal: Nicht was die Verantwortlichen für den FF in Deutsch gemacht haben, sondern das “Wie” ist ein GAU für die ganze OpenSource Bewegung und auf die Spitze getrieben wird das Ganze durch die Postings der Hauptverantwortlichen im Firefoxforum. Schlimmer hätte mans nicht anstellen können, um die Sache erst richtig unappetitlich zu machen, weil scheinbar jedes Bewusstsein fehlt, dafür was man da angerichtet hat. Sie haben haben an einem tragenden Pfeiler der OpenSource Bewegung gesägt, der da heisst “Vertrauen” und sie wissen offensichtlich noch nicht mal was sie getan haben.

    Nur die Meinung eines Aussenstehenden.

  2. Ich stimme Dir vollkommen zu, dass das “wie” dieser Aktion absolut fragwürdig ist/war.

    Bleibt zu hoffen, dass das nicht das ganze Firefox-Projekt in Mitleidenschaft zieht.

    Prinzipiell halte ich solche Affiliate-Programme (in Maßen) nicht für falsch — so etwas vor dem User “versteckt” einzuführen grenzt allerdings schon fast an Methoden von Softwarekonzernen, von denen sich die Open Source-Gemeinde nur allzu gerne distanziert.

  3. Ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Es ist nicht sonderlich gut gelaufen, aber es ist keine Tragödie.

    Abgesehen davon handelt es sich um eine Funktion, die ich noch niemals genutzt habe, da ich (aus welchen Gründen auch immer) eine Webseite immer direkt aufsuche.
    Will ich bei google.de suchen gehe ich zu gogle de, und tipp meinen Begriff da rein.
    Will ich bei eBay kaufen, gehe ich zu ebay.de und Tippe meine Suche da rein.

    Leider stimmt wohl das die informationspolitik hier ien Stück weit versagt hat. Leider war das Timing schlecht, da es mit der Zentrale in US abgesprochen werden musste.

    Das alles ist dumm gelaufen, und jeder muss selbst sehen was er nun macht.

    Christian

  4. Christian: ich habe die Funktion auch noch nie genutzt, außerdem habe ich die englische Version hier, die auf die “original” eBay-Seite verweist.

    Die Google-Suchbox finde ich ziemlich praktisch, ich hatte im IE (uh, waren das noch Zeiten) auch die Google Toolbar installiert.

    Heute habe ich übrigens am Rande mitbekommen, dass die eBay-Suche im dt. Firefox zu einem 404-Fehler bei eBay führt… Ob da wohl auf die Schnelle was abgeschaltet wurde?

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