Jeder Student kann “jeden Monat für hundert Euro auf etwas verzichten”…

sagt Bayerns Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Thomas Goppel.


Bei einem monatlichen Nettoeinkommen von EUR 9.000,- ist das sicherlich kein Problem, da kann ich auch auf EUR 100,- im Monat verzichten. (Wie ich auf 9.000 Euro komme? Ganz einfach: Strafbefehl gegen Herrn Dr. Goppel wegen Unfallflucht, Tagessatz 30 Euro. Der Tagessatz entspricht 1/30 des Netto-Monatsgehalt, 30 * 300 Euro = 9.000 Euro)

Bitte erklären Sie mir, wie der Durchschnittsstudent von seinen verfügbaren 500 Euro monatlich ein Fünftel einsparen soll, wenn er seine Miete pünktlich bezahlen muss und ohnehin nur bei Lidl, Aldi und Co. einkauft.

Wann haben Sie das letzte Mal bei einem Studenten Nachhilfe für ein Traumgehalt von 50 Euro pro Stunde gegeben (oder genommen), um mit zwei Stunden Arbeit pro Monat das Studium zu finanzieren?

Bei solch einem Stundenlohn würde ich ja jetzt schon (Vollzeit/brutto) fast soviel verdienen wie Sie im Monat netto in der Tasche haben! Und das als Student ohne Abschluss. Wahnsinn.

Ich weiß ja nicht, welche Studentenlöhne in Bayern vorherrschen, aber in Berlin liegt der durchschnittliche Stundenlohn für (qualifizierte, fachnahe) Studentenjobs bei max. 7 Euro.

Nein, ich bin mir nicht zu schade dafür, 14 zusätzliche Stunden pro Monat in meine Bildung zu investieren. Mir geht nur das blöde Gelaber auf den Keks, dass es allen Studenten doch sowieso zu gut gehe und die doch bitteschön mal arbeiten sollen.

Wenigstens verbürgt sich Herr Dr. Goppel, “die Einnahmen [würden] komplett den Universitäten zu Gute kommen”. Das ist doch schonmal was.
Auch wenn DIW-Chef Klaus Zimmermann damit rechnet, dass 500 Euro nur der Anfang sind und Gebühren in Höhe von 2.500,- Euro pro Semester für realistisch hält.

3 thoughts on “Jeder Student kann “jeden Monat für hundert Euro auf etwas verzichten”…”

  1. Nicht dazu gesagt hat er, dass dann Spielraum besteht, um die Zahlungen des Landes an die Universitäten entsprechend zu kürzen. Senkt schließlich das Haushaltsdefizit.

  2. Die 14 Stunden habe ich mir heute morgen auch ausgerechtet. Nachdem Goppels Busenfreund Frankenberg erst im vergangenen Jahr die Hiwilöhne gesenkt hat, dauert es ja jetzt noch ein bisschen länger, bis man das zusammen hat.

    Ich würde mich übrigens auch bereiterklären, Herrn Goppel für 50 Euro die Stunde Nachhilfe zu geben. Sagen wir, in Mathematik. Oder besser: In Realitätsfindung. Dort scheint er Nachholbedarf zu haben.

  3. Aber, aber, das mit den 50 Euro/Stunde war doch nur ein Missverstaendnis …

    Schrieb mir Herr Goppel zumindest:

    [..] Um eine Studiengebühr von 500,- € ein Semester auszugleichen, so habe ich vorgerechnet, reichten allemal 2 Nachhilfestunden je Woche aus. Das ist nachvollziehbar, wenn eine dieser Stunden mit 12,50 € angesetzt würde. Sicher, dass wir uns in dieser Rechenweise verstehen, tut es mir Leid, dass eine wohl verkürzte Präsentation des Beispiels zu Missverständnissen geführt hat. [..]

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